Entscheidung

Vor einem Jahr musste ich mich mit der Entscheidung beschäftigen, wann die Geräte bei meinem Mann runtergefahren werden. Es war nach 9 Tagen auf der Intensivstation klar, dass es keine Chance auf Heilung geben wird. Im Gegenteil: täglich ging es ihm schlechter, immer mehr Organe versagten. Das Bewusstsein erlangte er gar nicht mehr. Auf einmal wurde ich damit konfrontiert zu entscheiden, wann er gehen muss. Das war ein unendlich grausamer Moment.

Da liegt der Vater meines Sohnes, mein geliebter Mann und ich soll nun auf einmal sagen: Morgen soll er gehen. Oder doch besser übermorgen? Die Diagnose war ja eindeutig und ich wusste, dass mein Mann auf keinen Fall nur von Geräten am Leben gehalten werden wollte. Vor einem Jahr stand ich plötzlich vor vielen Fragen: Wann lasse ich ihn gehen? Wie erkläre ich das unserem Sohn? Was ist richtig, was ist falsch? Warum muss ich das entscheiden? Wie kann ich morgens aufstehen und wissen, heute wird mein Mann sterben, weil ich es so festgelegt habe?

Am Ende hat mir Michael die Entscheidung abgenommen. Dafür bin ich unendlich dankbar.