Witwenrente, Sterbegeld

Ich weiß ja nicht wie es anderen Witwen und Witwern mit minderjährigen Kindern geht, aber ich kann klar sagen: Unsere Witwen- und Halbwaisenrente hätte nie ausgereicht, um damit auch nur ansatzweise das Gehalt von Michael auszugleichen. Ich bekomme 740 Euro Witwenrente und 212 Euro Halbwaisenrente für meinen Sohn. Als Michael starb habe ich Vollzeit gearbeitet. Das war meine Rettung. Hätte ich in Teilzeit gearbeitet, hätte ich mir auch noch einen neuen Job suchen müssen. Dass ich dafür überhaupt keine Kraft hatte muss ich wohl nicht betonen. 

Allerdings bedeutete mein Vollzeit-Gehalt auch, das mir die Witwenrente gar nicht ausbezahlt wurde, weil ich zu viel verdiente. Das muss man sich mal überlegen: Da bricht in einer Familie plötzlich ein Gehalt weg und dennoch wird die Hinterbliebenen-Rente nicht ausbezahlt, weil das noch vorhandene Gehalt nach Ansicht des Staates ausreicht. 

Nach Michaels Tod bekam ich von seinem Arbeitgeber, einem großen deutschen Konzern, noch drei Monatsgehälter als Sterbegeld ausgezahlt. Dieses Geld wurde vom Arbeitgeber bereits versteuert (Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag) und ich muss den Betrag, den ich erhalten habe, noch einmal versteuern (mit 41 Prozent). Vorher habe ich mir nie Gedanken dazu gemacht, aber ich bin wirklich erstaunt, wie bei Witwen und Witwern steuerlich zugeschlagen wird. Wenn ich alleine daran denke, welche Kosten man direkt nach dem Tod zu wuppen hat: Beerdigung, alle Alltagskosten wie Miete, Kinderbetreuung, Versicherungen, Auto, möglicherweise weniger Gehalt, weil man gar nicht in der Lage ist zu arbeiten. Das finde ich schon happig. Ein wenig hilft der Staat (abgesehen von der Rente) dadurch, dass man als Witwe im Sterbejahr und im Jahr danach noch in der Steuerklasse für Verheiratete bleiben darf. Aber danach gilt man steuerlich als alleinerziehend mit Kind. Und hat noch weniger Geld am Ende des Monats.

Ich habe, wie schon mehrfach gesagt, viel Glück gehabt, da mich meine Eltern unterstützt haben, Verwandte und Freunde haben Kosten übernommen und ein Sammelkonto für uns eingerichtet, ich hatte einen Vollzeitjob. Andere Verwitwete mit kleinen Kindern haben dieses Glück nicht. Sie müssen mit den Kindern die Wohnung verlassen (weil zu groß und zu teuer), sie müssen schnell eine neue Arbeitsstelle finden, dazu natürlich eine Kinderbetreuung, die einen ganzen Arbeitstag abdeckt (ist wie ein 6er im Lotto). Das ist das absolute Grauen. Vor allem für die Kinder.

Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber ich finde, als junge/r Witwe/Witwer ist man ohne ein eigenes soziales Netz komplett aufgeschmissen.

 

 

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