Wir waren zwei Wochen im Urlaub. Vor einem Jahr war ich mit Sohn und einer Freundin unterwegs. Diesmal mit meiner Familie: mit meinen Eltern, meinen beiden Kindern und meinem Partner. Wir wachsen langsam als Familie.

Zu Beginn des Urlaubs haben mein Sohn und ich von Michael geträumt. Wir haben beide nicht darüber gesprochen, aber bei Sohn merke ich es manchmal, wenn er besonders liebebedürftig ist oder Kopfschmerzen bekommt. Dann möchte er, dass man sich um ihn kümmert, ihm Tee macht und den Nacken massiert und bei solchen Gelegenheiten sprechen wir dann. Als er mir erzählte, dass er von Papa geträumt hatte und sich alles so echt anfühlte, musste ich wieder weinen. Meinen Sohn leiden zu sehen ist mit das Schwierigste. Ich würde ihm gerne alles an Schmerz und Trauer abnehmen. Kein kleines Kind, kein Teenager sollte um seine Eltern trauern müssen. Das ist einfach totaler Mist. Aber ich kann es ihm nicht abnehmen und das macht mich noch trauriger.

Dennoch: Der Urlaub war sehr schön und hat uns sehr gut getan. Was ich merke: Ich mag momentan nicht gerne zum Grab fahren. Die Sommerbepflanzung ist verwelkt, das Wetter grau und regnerisch. Ich habe Muscheln für das Grab gesammelt, aber ich mag sie nicht hinbringen. Es ist mir gerade zu kalt und zu dunkel dort.

Letzte Woche war unser Sohn nach langer Zeit wieder in der Trauergruppe. Sie waren diesmal nur zu Dritt und Sohn hat zum ersten Mal sein Herz ausgeschüttet. „Mama, ich habe mal alles rausgelassen. Ich habe von Papa erzählt und davon, dass uns Freunde verlassen haben. Einfach alles. Das tat richtig gut. Auch wenn ich fast geweint habe.“

Sohn hatte zwischendurch Sorge, mit ihm würde etwas „nicht stimmen“, da er nicht mehr jeden Tag als erstes morgens an seinen Vater denkt. Oder permanent traurig ist. Ich habe versucht zu erklären, dass jeder Mensch seinen eigenen Rhythmus in der Trauerarbeit hat. Und dass es bei ihm vielleicht auch eine Art Schutzfunktion ist, um sein Überleben zu ermöglichen. Ich bin sehr froh, dass er diese Trauergruppe gefunden hat.