Die Trauerarbeit unseres Sohnes

Letzte Woche war unser Sohn nach langer Zeit wieder in der Trauergruppe. Sie waren diesmal nur zu Dritt und Sohn hat zum ersten Mal sein Herz ausgeschüttet. „Mama, ich habe mal alles rausgelassen. Ich habe von Papa erzählt und davon, dass uns Freunde verlassen haben. Einfach alles. Das tat richtig gut. Auch wenn ich fast geweint habe.“

Sohn hatte zwischendurch Sorge, mit ihm würde etwas „nicht stimmen“, da er nicht mehr jeden Tag als erstes morgens an seinen Vater denkt. Oder permanent traurig ist. Ich habe versucht zu erklären, dass jeder Mensch seinen eigenen Rhythmus in der Trauerarbeit hat. Und dass es bei ihm vielleicht auch eine Art Schutzfunktion ist, um sein Überleben zu ermöglichen. Ich bin sehr froh, dass er diese Trauergruppe gefunden hat.

4 Gedanken zu “Die Trauerarbeit unseres Sohnes

  1. Alba

    Liebe mucinhh, ich freue mich sehr für euch, dass ihr einen Weg gefunden habt, euer Leben nach dem großen Verlust neu zu gestalten. Ich fühle mit euch. Mein Mann ist im März plötzlich mit 48 Jahren gestorben. Unser Sohn ist 12 Jahre alt und ich mache mir viele Sorgen. Wo habt ihr diese Trauergruppe gefunden? Wollte euer Sohn dorthin? Ich würde meinen Sohn so gern dazu überreden, aber er möchte mit niemandem reden und versucht auch mich zu schonen, da er mich nicht traurig sehen möchte. Auf jeden Fall macht mir der Blog Mut, in dieser traurigen Zeit nach vorn zu schauen. Liebe Grüße, Alba

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    1. Liebe Alba,
      es tut mir sehr leid, dass auch Du Deinen Mann und Dein Kind seinen Papa verloren hat. Die Trauergruppe meines Sohnes habe ich nach mehreren Anläufen und über Internetrecherche gefunden. In Hamburg gibt es mehrere Vereine wie z. B. Kinder in Trauer oder Verwaiste Eltern, die Trauergruppen für unterschiedliche Altersstufen anbieten. Sohn hat „seine“ Gruppe im dritten Anlauf gefunden. Aber nicht jeder Trauernde findet in diesen Gruppen Halt. Der 15-jährige Sohn meiner Freundin, die ebenfalls verwitwet ist, hat lieber mit seinen Freunden gesprochen bzw. viel Sport gemacht. Ich konnte meinen Sohn zu den Gruppentreffen überreden, weil ich ihm gesagt habe, dass ich so etwas auch machen werde („komm, wir probieren das beide aus“) und weil er danach jedesmal eine Massage bekommen hat. Am Anfang wollte er nämlich nicht gehen.
      Ich drücke euch die Daumen und wünsche Dir viel Kraft und Zuversicht.
      Alles Liebe
      M.

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  2. Christine Heinz

    Liebes Fischlein. Bin durch Zufall auf deinen Blog gestoßen. Mein Mann ist im Dezember 2014 gestorben. Zwar sind wir 18 Jahre älter, aber ich finde mich in vielem wieder.
    Ich war gestern zum ersten Mal wieder tanzen. Es war komisch. Aber gut, dass ich es getsn habe. Es ist sehr schwer, nach 40 Jahren plötzlich allein dazustehen. Aber, ich habe keine Wahl. Von “ unseren “ Freunden ist fast keiner mehr da. Ich habe nur noch wenige Freunde. Und neue zu finden ist in den 60ern nicht einfach. Aber ich habe unsre Kinder und unseren Enkel.
    Ich wünsche dir für dein neues Leben alles Gute. Weiter so
    Liebe Grüße
    Chris

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    1. Liebe Chris, vielen Dank für Deine Worte. Michael und ich hatten „nur“ 14 Jahre zusammen und ich mag mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man plötzlich nach 40 Jahren alleine zurückbleibt. Mir war und ist mein Sohn ein großer Trost und in ihm sehe ich auch meinen Mann hin und wieder durchscheinen. Vielleicht geht es Dir bei Deinen Kindern und Enkeln ähnlich.
      Auch Dir alles Gute und viel Kraft und Zuversicht,
      alles Liebe,
      M.

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