Und dann bin ich unten

Ich werde öfter mal gefragt, ob es bestimmte Anlässe gibt, die mich besonders traurig machen. Ja, gibt es. Alles was mit unserem Sohn zu tun hat zum Beispiel. Dann denke ich immer „Wieso bist Du nicht mehr da?“. Jahrestage, Geburtstage, Weihnachten, Silvester etc. machen mir eigentlich nicht mehr so viel aus. Dachte ich.

Letzte Woche wäre unser 17. Hochzeitstag gewesen. Und ich war einfach nur fertig. Da das Wetter schön war, bin ich spontan zum Friedhof gefahren. Ich habe duftende Rosen gekauft und bin mit der U-Bahn zum Ohlsdorfer Friedhof gefahren. Schon in der U-Bahn merkte ich, wie es mir immer schlechter ging. Als ich dann im Bus zur Kapelle 7 saß (ja, der Friedhof ist so riesig, dass dort zwei Buslinien fahren) musste ich plötzlich weinen. So kenne ich mich gar nicht. Ich ging zum Grab, umgeben von Gärtnern, die überall die Hecken schnitten oder den Rasen mähten. Der Lärm war unbeschreiblich. Da saß ich am Grab, redete mit Michael und weinte und weinte. Ich war also wieder als Wellenreiterin unterwegs, mit Wellen, die sehr weit nach unten gingen. Es kommen auch wieder bessere Zeiten, das weiß ich.

Ja, Michael ist seit mehr als vier Jahren tot. Aber wer mir sagen möchte, dass die Trauer irgendwann besser wird, dem muss ich antworten: Das stimmt für mich nicht. Sie wird immer da sein. Immer. Sie bestimmt nicht mein Leben. Aber sie ist da. Im Hintergrund. Und manchmal zeigt sie sich ziemlich deutlich.

2 Gedanken zu “Und dann bin ich unten

  1. Wenn ein Band zwei Menschen miteinander verflochten hat und diese Bindung nicht einengend, sondern sogar als Befreiung erlebt wurde, dann trägt dieses Band auch über den Tod hinaus. Was vorher wie selbstverständlich gemeinsam durch die Jahre getragen hat, tritt dann in aller Deutlichkeit hervor, wenn der Partner nicht mehr ist.

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  2. Liebe Miriam,
    auch ich und mein Mann hätten in der gleichen Wcchen unseren Hoochzeitstag gehabt. Wir hatten 10 Jahre mehr miteinander und doch waren es viel zu wenige. So wie du schon schreibst, es macht keinen Sinn, sich gegen die Trauer zu wehren. Sie kommt sowieso. Unsere Gegenwehr macht sie nur stärker. In dieser Zeit dürfen wir weinen um dass, was wir nicht mehr haben werden – ein Zukunft. Aber an guten Tagen müssen wir feiern – das was wir hatten und das was wir noch haben. Wunderbare Erinnerungen und unsere Kinder.
    Liebe Grüße
    Gritt
    P.S. Wenn ich im August wieder in Hamburg bin, werde ich ganz fest an dich denken und an das schöne Wochenende, dass ich dort mit meinem Mann hatte.

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