Gute Tage, traurige Momente

In meinem Leben überwiegen die guten Tage. Das liegt vor allem an meinen beiden Kindern, aber natürlich auch an meinem neuen Mann (ich habe immer noch keine schöne Formulierung gefunden, neu und alt, tot und lebendig, das trifft es alles nicht). Dennoch holt mich die Trauer immer wieder ein. Damit meine ich nicht, dass ich an Michael denke. Das tue ich jeden Tag. Damit meine ich, dass ich den Schmerz auf einmal so intensiv spüre, dass ich weinen muss.

Die Auslöser dafür können ganz unterschiedlich sein: Musik, ein Duft, eine bestimmte Formulierung, die Michael immer genutzt hat. Aktuell war es ein Artikel, in dem eine englische Autorin beschreibt, wie ihr der Tod ihrer jüngeren Schwester zu schaffen macht. Die Erwartung, dass ihre Schwester jeden Moment um die Ecke kommt oder bei ihr anruft. Der Wunsch mit ihr über bestimmte Dinge zu sprechen, oder ein Witz, der ihr sicher gefallen hätte. Aber all das geht nicht mehr, denn sie ist ja tot. Die Gespräche mit ihr abends vor dem Einschlafen. Wenn sie mit anderen Menschen über ihre Schwester spricht, sie gemeinsam in Erinnerungen schwelgen. Das ist einerseits wunderschön, aber andererseits eben auch sehr schmerzhaft.

Ich spreche oft mit Michael, auch laut, meistens, wenn ich draußen unterwegs bin und den Kinderwagen schiebe. Dann rede ich, stelle ihm Fragen – und bekomme natürlich keine Antworten. Nur manchmal habe ich das Gefühl, ich spüre ihn wirklich um mich herum, als ob er da wäre oder mir zumindest ein kleines Zeichen gibt, dass seine Energie gerade bei mir ist.

Heute Morgen fehlt er mir sehr. Weil ich diesen Artikel gelesen habe und so vieles wieder erkannt habe. Ich weine in die Tastatur und möchte ihn so gerne noch einmal in den Arm nehmen. Geht nicht, ist schon klar.

Ich backe jetzt einen Kuchen, das lenkt mich ab. Und die Kinder freuen sich hinterher.

Ein Gedanke zu “Gute Tage, traurige Momente

  1. Claudia

    Liebe Miriam,
    jetzt weine ich. Ich habe als fast erwachsene Frau meine Mutter verloren. Das war vor 14 Jahren. Auch wenn nichts mehr an mein Leben von damals erinnert (ich bin weggezogen, habe meinen Mann kennengelernt, eine Familie gegründet), diese Momente von denen Du schreibst, sie sind plötzlich da. Anfangs immer etwas seltener. Aber es hört nie ganz auf und diese Momente kommen immer ohne Vorwarnung. So wie jetzt.

    Liebe Grüße!

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