Was sich Trauernde anhören müssen

Ein aktueller Fall macht mich wütend und nachdenklich: Wie kann es sein, dass man sich als Witwe (und Witwer) immer wieder mit dämlichen Kommentaren in seiner Umgebung auseinandersetzen muss? Warum ist der Umgang mit Trauernden anscheinend so schwierig, dass manche Menschen gedankenlos ihren Mist raushauen, ohne darüber nachzudenken, was sie damit anrichten?

Ich durfte mir ja diverse Dinge anhören, u. a.:

  • Ich solle die Beerdigungsorganisation nicht in die Hände meiner Freunde geben, die würden alles an sich reißen 
  • die Trauer müsse nach ein paar Wochen doch sicher schon einfacher geworden sein
  • „Wenn Du Deine Wohnung verkaufen musst, ich kenne da jemanden.“ 
  • Ich dürfe noch keine neue Beziehung haben, da ich nicht zurechnungsfähig sei, ich solle erst einmal eine Therapie machen
  • „Du lässt es ja ordentlich krachen“ (auch  in Bezug auf meine neue Beziehung)
  • Ich müsse abtreiben
  • usw.

Bei anderen Trauernden waren es Kommentare wie z. B.:

  • Komm, Du bist doch jung, Du findest schon wieder jemanden.
  • Ach Du hast nach 1,5 Jahren schon wieder einen Freund? Das ging ja schnell!
  • Man sieht Dich so selten am Grab.
  • Meine Güte, musst Du ständig alte Geschichten von ihm/ihr erzählen?
  • Wie, Du hast seine Sachen noch nicht aussortiert? Er ist doch schon ein Jahr tot.

Meine Bitte: Falls man wirklich nur unsicher ist, lieber nichts sagen und einfach in den Arm nehmen. 

Für den Rest gilt: Gemeinheiten waren noch nie hilfreich. Und „gut gemeint“ entschuldigt auch keine gedankenlosen Kommentare.

4 Gedanken zu “Was sich Trauernde anhören müssen

  1. Ich finde es unglaublich, dass die Menschen, die nicht in deiner Lage sind und sich überhaupt nicht reinfühlen können, sich dazu erdreisten einem Vorwürfe zu machen oder zu sagen wie sie es für richtig halten würden.

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  2. Liebe M.
    heute habe ich deinen Blog gefunden und bereits von vorne bis hinten gelesen.
    Ich habe mich in vielen Beiträgen wiedergefunden…Ich habe meinen Mann und Vater meiner Tochter im März 2014 ganz plötzlich verloren. Damals war ich 29 und meine Tochter 1,5 Jahre als. 5 Monate später lernte ich meinen jetzigen Partner kennen und verliebte mich. Wir werden noch dieses Jahr heiraten.
    Auch mir wurde immer vermittelt, ich würde das mit dem „Witwe sein“ falsch machen…auch wir (mein Partner und ich) haben sehr viele Freunde verloren und sehr viel Unverständnis erlebt.
    Ich seh es genau wie du! Es interessiert mich nicht! Es ist mein Leben und ich werde den Teufel tun und es nach den Erwartungen ahnungsloser Anderer ausrichten!
    Liebe, egal wann und in welcher Gestalt sie einem über den Weg läuft, sollte man nie vorüberziehen lassen.
    Ich werde sicher den Einen oder Anderen Beitrag kommentieren. Wenn das ok ist.

    Viele Grüße Ina
    (P.S. Ich war auch auf verwitwet.de angemeldet, allerdings nie sehr aktiv.)

    Gefällt 1 Person

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