Trauer, der ständige Begleiter

Die Ferien sind fast vorbei. Wir sind wieder zurück in Hamburg. Das dritte Weihnachten ohne Michael, das dritte Silvester ohne ihn. An den Festtagen habe ich nicht intensiver an ihn gedacht als sonst. Ich war auch nicht trauriger. Die Trauerwelle hat mich vor zwei Tagen nach unten gezogen. Ich war gerade damit beschäftigt Wäsche zu machen und habe währenddessen auf die hügelige, sonnige Landschaft um mich herum geblickt. Und plötzlich war es wieder soweit: Aus dem Nichts fange ich an zu weinen und frage mich, wie so unzählige Male zuvor: Warum bist Du nicht mehr da? Warum darf ich hier in der Sonne stehen und Du nicht? Welcher Idiot hat sich das ausgedacht? Warum durfte ich mit unserem Sohn zum Abschlussball seines Tanzkurses? Das hätte Dir so gut gefallen. Du wärst so stolz auf ihn gewesen.

Michael ist seit Mai 2015 tot. Ich spreche weiterhin jeden Tag mit ihm. Ich hatte das Glück, mich wieder neu zu verlieben und sogar noch einmal mit 45 Jahren Mutter zu werden. Aber mein Mann Michael fehlt mir nach wie vor. Ich betone das, weil immer noch von Trauernden erwartet wird, dass die Trauer doch irgendwann mal vorbei sein müsse. Ich glaube, Trauer kann nie vorbei sein. Sie ist unser ständiger Begleiter. Das muss das Umfeld schlicht akzeptieren.

 

3 Gedanken zu “Trauer, der ständige Begleiter

  1. nora

    Hallo, danke. Es geht mir genauso. Das dritte Jahr, wieder neu verliebt und glücklich und noch immer in tiefer Trauer. Und mein Umfeld glaubt zum größten Teil, toll sie ist wieder zu 100% glücklich und ohne Trauer. Danke also für Deine Offenheit.
    Alles Liebe

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  2. Stefanie

    3 Jahre schon? Das kann ich kaum glauben; ich lese bei Dir schon beinahe von Anfang an mit, denke ich. Und es liest sich so, als würde Dein Umfeld konträre Erwartungen an Dich stellen. Den einen hast Du nicht lange (bzw einsam) genug getrauert. Den anderen dauert es nun zu lange. Als ob irgendjemand das Recht hätte, da überhaupt eine Erwartung zu haben. Ich wünsche Dir, dass Du nicht Recht behältst. Sondern dass Trauer doch irgendwann vorbei sein kann. Liebe Grüße.

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  3. Ich weiß gar nicht, warum ich auf deinem Blog gelandet bin, ich möchte dir auch nicht das Gefühl geben, dass ich dich stalke. Ich lese nur aus deinen Beiträgen viel Trauer und bin ein wenig konsterniert über den Umgang deiner „Freunde“ mit dir. Meine Freundin hat mit 31 Jahren ihren Mann durch einen Verkehrsunfall verloren. Auch ich habe die weichgespülten Phrasen, die du auch so haßt, von mir gegeben. Bis sie mir den Kopf gewaschen hat, dass sie so etwas überhaupt nicht braucht. Heute treffen wir uns sehr oft, Mal geht es ihr gut, Mal schlechter (es ist 6 Jahre her), aber das ist okay. Trauer kennt eben kein Enddatum…

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